Donnerstag, 7. August 2008

Da hilft kein Jammern?

Ich hatte es ja angedeutet. Die Entscheidung über das vierte und letzte Halbjahr Einstiegsgeld für die famose Idee einer mobilen Sozialberatung sollte kein einfaches Unterfangen werden. Die gleiche Mitarbeiterin, der ich schon neulich mein ganzes Leben erklären musste, sollte nun also doch die Entscheiderin über mein Geld bleiben. Sie hatte ja schon durch Wort, Tat und Gesichtsausdruck sehr unmissverständlich klar gemacht, dass sie die Meinung ihrer Bearbeitungsvorgängerinnen so gar nicht teilt. Beim Telefonanruf vor ein paar Wochen dann kam noch der Tonfall als Stilmittel dazu. Wie immer um äußerste Freundlichkeit bemüht fragte ich, was sie denn noch zur Entscheidung bräuchte. Sie zählte mir daraufhin einige Unterlagen auf, die ich sämtlich schon mal beim Jobcenter eingereicht hatte. Ja, sie sei aber eben nicht bereit, diese zu suchen, weshalb ich das schon nochmal schicken müsse. Im übrigen werde sie meinen Antrag aber ganz unabhängig von den Unterlagen auf jeden Fall ablehnen.
Warum sie dafür noch einen Stapel Papier benötige, fragte ich zurück. Das sei nun mal so, bemerkte sie lapidar.

In diesem Moment war ich kurz davor, die Sache einfach auf sich beruhen zu lassen und Einstiegsgeld Einstiegsgeld sein zu lassen. Mein Seelenfrieden schien mir wertvoller. Aber einmal darüber geschlafen erwachte mein Prinzipiengeist, und ich schrieb an die Leiterin des Jobcenters Lichtenberg, Hannelore Mouton. Natürlich wisse ich, dass ich Einstiegsgeld nicht einfordern könne, weil es eine Ermessensentscheidung ist. Aber Ermessen sehe ja wohl auch nicht so aus, dass eine Sachbearbeiterin schon VOR Einsicht in die Unterlagen entscheide, alles abzulehnen. Auch könne ich nicht nachvollziehen, dass mir dreimal ohne weitere Nachfragen das Einstiegsgeld gewährt wurde, obwohl ich nie einen nenenswerten wirtschaftlichen Erfolg vorweisen konnte, um es jetzt, da der Roller zum ersten Mal klitzekleine schwarze Zahlen schreibt, den Hahn zuzudrehen. Darüber hinaus erinnerte ich daran, dass ja schließlich von vornherein allen Beteiligten klar sein musste (siehe auch meine älteren Posts in diesem Blog...), dass vom Roller keiner ganz und gar leben kann. Immer nur auf Zahlen zu starren und das wirkliche Leben des Betroffenen auszublenden, könne ja wohl nicht die Politik des Jobcenters sein.
Was soll ich sagen - Jammern hilft manchmal eben doch. Es kam zumindest bei der Leiterin zu einem Einsehen. Und sie hat ihre Einstiegsgeldabteilung offenbar dazu verdonnert, nochmal zu bewilligen. Jetzt kann sich das Jobcenter Lichtenberg rühmen, mich tatsächlich bis zum Äußersten unterstützt zu haben:)

Für mich und den Hartzer Roller ist das eine letzten Endes schöne Wendung. Allerdings war der Weg dorthin so steinig, dass ich mir gut vorstellen kann, wie man bei solchen Gegenübern irgendwann die Segel streicht. Hätte ich ja auch fast. Deshalb: Nehmen wir es als Ermutigung, die eigene Sache nicht aufzugeben, bis wirklich alle Register gezogen sind. Und auch, wo man nicht klagen kann, kann man wenigstens argumentieren. Ich weiß, dass es oft nicht klappt. Aber ich sehe auch abseits von meinem Fall immer wieder, DASS es manchmal was bringen kann.