Sonntag, 24. August 2008

Lieber Fernsehboulevard, bitte nicht böse sein!

Natürlich freue ich mich, wenn die Arbeit des Hartzer Rollers Menschen hilft und sich deshalb herumspricht. Nach Erwähnungen in der lokalen Presse, die als hauptstädtische Presse natürlich weite Verbreitung findet, kommt es immer wieder zu Anrufen aus den Boulevardabteilungen der Privatfernsehsender. So wollte SAT1 mich mal dabei begleiten, wenn ich für "Akte07" oder 08 eine unter Umständen wirklich furchtbar vom Jobcenter betrogene Frau besuche und sie rette. Leider hätte ich meine Arbeitsweise dafür ziemlich doll den Anforderungen einer SAT1-Sendung anpassen müssen. Es hätte also mit meiner Realität nichts mehr zu tun gehabt, vielmehr wäre es ein einziger Fake geworden. Mein Angebot, dass die Betroffene gern ohne Kamera zu mir kommen könne, wo ich sie dann ganz normal wie alle anderen berate, fand irgendwie keinen Anklang...

Nach dem Artikel in der Berliner Zeitung war jetzt RTL am schnellsten. Die Redaktion von explosiv und den Punkt-Sendungen (Punkt12, Punkt1, Punkt2 oder so ähnlich) wollte mich bei der Arbeit begleiten. Aktuelle explosiv-Themen sind laut Internet "Mein Kind vermasselt jedes Date", "Junger Mann mit älterer Partnerin", "Betrogen von der besten Freundin", "Deutschlands faulster Mann" und Vergleichbares...

Selbstverständlich respektiere ich die schwere Arbeit der Redaktionen des Fernsehboulevards. Aber die Beratungen des Hartzer Rollers sind aus grundsätzlichen Erwägungen heraus nicht zur filmischen Begleitung geeignet. Die Journalistin der Berliner Zeitung durfte mit ausdrücklicher Erlaubnis der zu beratenden Person bei einem Beratungsgespräch zuhören.

Neben der Zustimmung der Betroffenen auf der anderen Seite des Beratungstischs bedarf es hier aber auch eines guten Gefühls auf meiner Seite. Und dazu kann ich sagen, dass es eine Filmkamera während einer Beratung beim Hartzer Roller niemals geben wird. Ein "realistischer" Bericht müsste in diesen Passagen also immer gefälscht und gestellt sein. Dafür aber bin ich nicht der Geeignete.

Ich ordne das Interesse aus dieser Richtung im positiven Sinne als Wertschätzung ein, möchte die entsprechenden Medien aber bitten, mein Desinteresse an solchen Sendungen zu respektieren.