Montag, 8. Februar 2010

Kreativität auf unterstem Niveau...

Ich will an dieser Stelle mal wieder daran erinnern, dass auch ich mich zum erlauchten Kreis der Alg II-EmpfängerInnen zähle. Folglich, und da ich ja selbständig bin, habe ich mindestens einmal im halben Jahr abzurechnen. Und was soll ich sagen - jedesmal kommt es wieder zum Showdown.
Nachdem ich mich daran gewöhnt habe, dass die endgültigen Abrechnungen, die ich jedesmal sofort nach Ablauf eines Bewilligungszeitraums ans Jobcenter schicke, dort erstmal Patina ansetzen, befinde ich mich momentan im Streit um die Abrechnung für das erste Halbjahr 2009. Erstmals stellte meine Sachbearbeiterin hierbei die These auf, dass erstens meine BVG-Karte im Januar und Februar nicht als Betriebsausgabe anzuerkennen sei. Die wollte sie im Grundfreibetrag aufgehen lassen, was zu meinem Nachteil wäre. Außerdem wollte sie die Versicherung des Dreirads nicht anerkennen. Aus dem selben Grund.

Kleiner Exkurs: Wenn es bei der BVG-Karte darum gegangen wäre, dass ich mit der Bahn zu meinem Arbeitsplatz gefahren wäre und wenn das Dreirad mein Privatfahrzeug wäre, dann wäre das auch richtig gewesen.

Ich informierte das Center also darüber, dass ich keinesfalls mit der Bahn zum Arbeitsplatz fahre, denn mein Arbeitsplatz befindet sich bei mir daheim am Schreibtisch. Die BVG brauchte ich lediglich im Winter, weil ich da mit drei Rädern eine nicht so optimale Straßenlage habe. Die Monatskarte ist demnach nur die wirtschaftlichste Art, meine Dienstwege zurückzulegen. Und deshalb als Betriebsausgabe voll anzuerkennen.
Das schildere ich etwas episch, weil ich laufend Bescheide von Selbständigen vor mir liegen habe, in denen das Center genau das Gleiche versucht. Also hier bitte nicht über den Tisch ziehen lassen, sondern widersprechen!
"Nach nochmaliger und eingehender Prüfung der Sach- und Rechtslage" wurde dieser Unsinn auch aufgehoben und die Monatskarte anerkannt.

Die Sache mit der KFZ-Versicherung war dann noch lustiger: Nachdem ich im Rahmen meines Widerspruchs einen Schnellkurs in Anrechnung von Betriebsfahrzeugen gegeben hatte, bei dem ich am Ende schrieb: "Wenn mein Dreirad ein Privatfahrzeug wäre, dann wäre Ihre Berechnug richtig.", bekam ich nicht etwa eine richtige Berechnung zurück, sondern eine wiederum falsche, diesmal aber mit der expliziten Behauptung, dass mein Dreirad dann wohl ein Privatfahrzeug sei...

Da muss man erstmal drauf kommen. Perfide daran war auch, dass ich diesen Unsinn nur zufällig entdeckte, denn auf dem Deckblatt stand doch tatsächlich: "Ihrem Widerspruch konnte in vollem Umfang stattgegeben werden."

Also: Auch bei solchen Einlullversuchen bitte immer jede einzelne Seite des Bescheides genau angucken. Das Center lässt nichts unversucht!