Montag, 2. August 2010

Blond ist nicht gleich blond!


Nein, ich lasse nichts kommen auf die große Kelly Bundy. Sicher, sie verkörpert ein gewisses Stereotyp, das in der deutschen Übersetzung darin gipfelt, dass ihre Familie sie "Dumpfbacke" nennt. Im Original allerdings nennt man sie eher lieb gemeint "Pumpkin", also Kürbis, was wohl treffender mit "Mäuschen" wiedergegeben worden wäre. Aber wie sagt schon Wikipedia?
Durch die ungenaue Übersetzung verlieren diese Gags ihren Witz.

Dort ist aber auch zu lesen:
Wie spätere Rückblenden aufzeigten, war sie bis zu ihrem sechsten Lebensjahr ein erstaunlich intelligentes Kind, das viel gelesen und seinen Eltern Al und Peggy damit einige Sorgen bereitet hatte. Dies änderte sich jedoch, als sie sich während einer Autofahrt den Kopf anschlug und fortan mit einer starken Lernbehinderung zurechtkommen musste.

Womit wir bei der zweiten Blonden wären.

Diese gleich auf den ersten Blick sympathisch wirkende Dame heißt Miriam Gruß und sitzt für die zitronengelbe Partei im Bundestag. Wann sie mit dem Kopf anschlug, werden wir heute nicht klären können, sicher scheint nur, dass ihre heutigen Äußerungen nicht auf Übersetzungsfehlern beruhen. Obwohl man es meinen könnte. Denn sie spricht nach der Ankündigung, dass die Hartz-IV-Sätze womöglich steigen müssten, wenn das Februar-Urteil des BVG umgesetzt wird, wieder mal vom Lohnabstandsgebot. Sie ist so nett, auch gleich den Geist dieses Gedankens zu erklären, indem sie verlautbart, man müsse den
...Abstand wahren zwischen Hartz-IV-Beziehern und denen, die arbeiten.

Ich laufe Gefahr, langweilig zu werden, denn ich erkläre mir ja hier öfters die Finger wund, dass Hartz-IV-EmpfängerInnen ziemlich oft arbeiten gehen, nur halt nicht genug dabei verdienen. Aber die Konstruktion dieser Sozialleistung hat bereits ein eingebautes Lohnabstandsgebot!
Wer arbeitet, hat als BezieherIn von Alg II immer mehr Geld in der Tasche, als wenn die gleiche Person in der gleichen Situation nicht arbeitete. Das Instrument dazu sind die Freibeträge. Also der Teil des Einkommens, der nicht mit dem Bedarf 1:1 verrechnet wird. Im Klartext: Wer so viel verdient, dass er keinen Anspruch mehr auf Alg II hat, von dem können wir sicher sagen, dass er monatlich mindestens über 280 € mehr im Geldbeutel verfügt. Wer ein Kind hat, bei dem sind es mindestens 310 €.
Aus der Sicht von Frau Gruß könnte man jetzt natürlich denken: 280 € sind doch kein Lohnabstand! In der Welt der 34jährigen Juristin, deren Vita sich so liest...

Studium:

Studium der Rechtswissenschaften, Augsburg (1994 - 1997)

(Große Scheine Bürgerliches Recht, Strafrecht und Öffentliches Recht)
Studium der Politikwissenschaften, Hochschule für Politik, München (1996 - 1998)
Studium der Politikwissenschaften, Universität Augsburg (1998 - 2001)

Studienabschluss:
Diplom - Politologin
Nebenfach Staatsrecht

Praktische Erfahrungen und berufliche Tätigkeiten:
Bundeswirtschaftsministerium, Abteilung Europapolitik (1997)
Friedrich-Naumann-Stiftung Santo Domingo, entwicklungspolitisches Praktikum (1999)
Selbstständige Wirtschaftsberaterin, MLP AG, München und Augsburg (2001 - 2005)
Nebenberufliche Trainerin an der MLP Corporate University, Heidelberg (2003 - 2005)

Promotion:
Fach Politikwissenschaften bei Prof. Dr. Peter Guggemos

Ehrenamtliche Tätigkeiten:
Existenzgründungsförderung, Bund der Selbständigen, Augsburg (2003 - 2004)
Mitarbeit bei den Jungen Liberalen, Augsburg
Kreisvorsitzende der FDP Augsburg
Mitglied des Landesvorstandes der FDP Bayern
Generalsekretärin der FDP-Bayern
Bundesfachausschuss Soziales


... klingt das wahrscheinlich wirklich nach peanuts. Aber hier kommt es doch sehr auf die Perspektive an. Von "oben" betrachtet, ist der eingebaute Lohnabstand vielleicht nur ein Essen bei Borchardt am Gendarmenmarkt. Aus der Sicht einer allein erziehenden Hartz-IV-Empfängerin (also gewissermaßen von unten) bedeutet ein Mehreinkommen von 310 € im Monat allerdings eine Steigerung von 86% (!) beim verfügbaren Geld.

Herzliche Grüße an Frau Gruß,
Ihre
Miranda Veracruz de la Hoya Cardinal...