Donnerstag, 24. März 2011

Grenzen der Beratung

Natürlich gehöre auch ich zu den Menschen, die gerne auf die Bedürfnisse ihrer Gegenüber eingehen. Ich denke auch, dass ich das bei der Beratung ganz gut hinkriege. In letzter Zeit begegnet mir allerdings des öfteren ein Phänomen, bei dem Grenzen der Beratungsmöglichkeit erreicht werden.
Es geht darum, dass Menschen in die Beratung kommen, die bereits eine Klage beim Sozialgericht laufen haben.
Es kann sich im Laufe einer Auseinandersetzung mit dem Jobcenter immer die Situation ergeben, dass man um eine Klage nicht herum kommt. Die Jobcenter lassen es ja auch selbst in für sie aussichtslosen Fällen gern mal drauf ankommen, um auszutesten, ob jemand bereit ist, bis vor das Gericht zu ziehen. Wenn diese Situation erreicht ist, ermutige ich auch zur Klage.
Idealerweise findet eine Beratung aber am Anfang eines solchen Weges statt. Dafür ist es ja gerade wichtig, dass die Beratungsstellen ein niedrigschwelliges, also leicht erreichbares und kostenloses Angebot machen.
Wer sich seiner Position sicher ist und auch im Umgang mit Behörden keine Ängste verspürt, kann guten Gewissens allein einen Prozess beim Sozialgericht durchstehen. Schwierig aus beraterischer Sicht ist es, wenn die Beratung erst gesucht wird, nachdem der Prozess schon läuft. Ich verstehe, dass die oft umfangreichen Schreiben des Sozialgerichts einen da ins Schlingern bringen können. Aber weder in einer 45minütigen vereinbarten Beratung noch in der offenen Beratung, wenn in drei Stunden acht Fälle zu lösen sind, kann ein ganzer Aktenordner gesichtet werden, der sich in einem laufenden Verfahren ergeben hat. Auch sind die Besprechnung einer Vorgehens-Taktik, die Nutzung von Beratungshilfescheinen über das Amtsgericht oder das Ausloten von anderen als gerichtlichen Lösungsmöglichkeiten zum Teil verspielt, wenn der Prozess schon läuft.

Deshalb zwei Bitten: Kommen Sie lieber früher als später zur Beratung und haben Sie Verständnis, wenn ich es nicht schaffen kann und deshalb auch mal ablehne, mich in einen laufenden Prozess noch einzuarbeiten. Aus Erfahrung sind Sie beim Sozialgericht wenigstens in besseren Händen als beim Jobcenter. Das kann ich Ihnen dann aber dennoch beruhigend mit auf den Weg geben.