Montag, 13. Juni 2011

Hamsema 36 Euro?

Nun wird also umgesetzt. Bei der Gewährung von Darlehen hat sich ja nicht nur geändert, dass man überhaupt erst eins bekommt, wenn man alle "bereiten Mittel" inklusive Schonvermögen aufgebraucht hat, also veritabel pleite ist. Auch die Rückzahlungsmodalitäten sind verschärft worden.
Darlehen sollen finanzielle Engpässe überbrücken, die dadurch auftreten, dass man konkret etwas anschaffen muss, für das man eigentlich per Regelsatz sparen sollte. Also der berühmte monatliche Euro für Waschmaschine oder Kühlschrank, der theoretisch im Regelsatz enthalten ist, den aber niemand wirklich anspart, weil das Geld auch so bestenfalls gerade so reicht.
Außerdem müsste man ja auch ganz schon lange ansparen, um einen ganzen Kühlschrank rauszubekommen. Schließlich ist Alg II ja nicht als Dauerlösung gedacht gewesen...
Wenn man jetzt also entsprechenden Bedarf anmeldet und mit leeren Händen seine Mittellosigkeit beweist, dann sollte man so ein Darlehen bekommen. Schon bisher galt, dass diese Darlehen sofort in monatlichen Raten zurückzuzahlen sind, allerdings wurden oft Raten vereinbart, die deutlich unter den vorgesehenen 10% des Regelsatzes lagen. Hier gibt es nun keinen Spielraum mehr. Ab dem Monat nach der Darlehensauszahlung wird "aufgerechnet". Die 36 € (Ich nehme das hier als Beispiel: 10% des Eckregelbedarfs von 364 €) werden automatisch einbehalten. Man bekommt also einfach monatelang weniger Geld, bis das Darlehen abbezahlt ist.
Bei einem Kühlschrank ist das Ende mit guten Augen noch sichtbar, heftig wird es bei großen Darlehen. Denn auch die umfangreichsten Darlehen, die das Jobcenter normalerweise gewährt, die Mietkautionen, werden jetzt genauso aufgerechnet wie der Kühlschrankkredit. Bei drei Nettokaltmieten Kaution kommen da schnell mal sechs- oder achthundert Euro zusammen. Also tatsächlich ca. anderthalb Jahre, in denen ein Darlehensnehmer jeden Monat 36 € weniger hätte.
Dazu kommt, dass so ein Kautionsdarlehen in der Praxis sowohl an Einzelne als auch an mehrere BG-Mitglieder gehen kann. Geht es an alle Familienmitglieder, wird auch bei allen aufgerechnet. Wenn dann zwei-, drei- oder viermal 10% fehlen, dann wird es mehr als eng.
Im Ergebnis handelt es sich also um verordnetes Zwangssparen nach dem Motto: Wenn du schon nicht laufend Geld zurücklegst, dann werden wir mal für dich eine ganze Zeit lang was ins Staatssparschwein stecken...
Bisher wurde einem ein (womöglich aufgenötigter!) Umzug nicht noch zusätzlich vergällt. Das Geld für die Kaution wurde dem Vermieter überwiesen. Dazu musste man lediglich das Recht auf Rückzahlung ans Jobcenter abtreten. Aber das fraß ja kein Brot. Jetzt kann man das leider nicht mehr sagen. Ob Brot oder Butter - 10% des Regelsatzes sind ein Drittel des gesamten Lebensmittelgeldes...