Mittwoch, 15. Juni 2011

Kindergeschnetzeltes

Wenn man Glück hat, bekommt man für sechs Monate einen Bescheid mit genau einem Berechnungsabschnitt. Also eine Berechnung, die für alle Monate gleich gilt. Dann bekommt man jeden Monat das gleiche Geld vom Jobcenter und alles ist recht übersichtlich.

Hat man z.B. jeden Monat ein anderes Einkommen, sind es für einen Durchschnitts-Bewilligungszeitraum schon sechs Berechnungen. Und wird in einem Monat eines der Kinder 14 und wechselt damit in eine Altersgruppe mit höherem Regelsatz, dann teilt sich dieser Monat auch noch mal in zwei Berechnungsabschnitte.

Noch aufwendiger wird es, wenn Kinder nur zeitweise zur Bedarfsgemeinschaft gehören. Also in der Regel dann, wenn Kinder von getrennt lebenden Eltern mal hier und mal da wohnen. Dann bilden sie mit den jeweiligen Elternteilen eine "temporäre Bedarfsgemeinschaft". Und zwar immer an den Tagen, an denen sie im Haushalt wohnen.
Entscheiden Eltern sich für das Wechselmodell, also die hälftige Aufteilung ihrer Kinder (sprich: die Kinder sind einen halben Monat bei jedem Elternteil), dann wird in der Regel ein Monat in zwei Berechnungszeiträume aufgeteilt, die erste Hälfte (1. bis 15.) ohne und die zweite Hälfte (16. bis 30.) mit Kind. Macht ja auch schon wackere 12 Berechnungen für sechs Monate.

Aber manchmal schießt ein Jobcenter dann doch gern übers Ziel hinaus. Gibt z.B. (und das ist leider nicht ausgedacht, sondern lag in Bescheidform auf meinem Beratungstisch) ein Vater an, dass seine Tochter immer von Donnerstag bis Sonntag bei ihm ist, dann kommt es vor, dass die SachbearbeiterIn nicht etwa ausrechnet, wieviele Tage mit und ohne Kind pro Monat anfallen, sondern jetzt wirklich ganz penibel den Monat aufsplattert!

Also... Ohne Kind am Mittwoch, den 1., mit Kind von Donnerstag, den 2. bis Sonntag, den 5., ohne Kind von Montag, den 6. bis Mittwoch, den 8. usw......

Macht pro Monat geschätzte 8 bis 10 Berechnungsabschnitte, für ein halbes Jahr also sechsmal so viel, geschätzte 50 bis 55 Abschnitte. Und in jedem Abschnitt werden Bedarfe und Einkommen anteilig genau berechnet. Für einen Dreitageszeitraum also immer 3/30 des ganzen Monatsbedarfs und 3/30 des anzurechnenden Monatseinkommens. Während die Miete bei einem Erwachsenen und zwei Kindern in der Zeit ohne Kind pro Tag zu 1/30 ganz auf den Erwachsenen geht und in der Zeit mit den beiden Kindern dieses 1/30 der Monatsmiete auf drei Personen aufgeteilt wird...

Einen solchen Bescheid zu überprüfen, ist faktisch unmöglich. Aber das soll nicht das Lamentieren eines überforderten Beraters sein, vielmehr muss man sich fragen, ob einem so verfahrenden Jobcenter wirklich daran gelegen ist, dass die KundInnen auch verstehen, was mit ihnen passiert.

Ich kann nur dazu raten, einen solchen Bescheid (der natürlich rechtlich nicht falsch sein muss) zurückgehen zu lassen. Und zwar ganz freundlich mit der Bitte um größtmögliche Zusammenfassung aller in einem Monat gleich zu berechnenden Zeiträume. So viel Service muss man erwarten dürfen!