Sonntag, 19. Juni 2011

Öffentliches Schnattern?

Ich war unter der Woche eingeladen. Zu einer Podiumsdiskussion der Landeszentrale für Politische Bildung zum Thema Bürgerarbeit. Wenn diese Veranstaltung im Fernsehen gelaufen wäre, wäre die Sache für mich klar gewesen, dann hätte ich wie immer abgesagt. Aber so war es nicht, das Ganze fand im - sagen wir - abgeschiedenen Rahmen der VHS Mitte statt, und ich habe deshalb meine Teilnahme zugesagt.

Um es vorweg zu nehmen: Ich werde wohl bei solchen Veranstaltungen in Zukunft genauso wenig zu finden sein wie bei Fernsehtalkrunden. Denn der Verlauf war jetzt nichts, was die Welt in irgendeiner Weise vorangebracht hätte. Eingeladen waren außer mir noch drei Doktoren, der Dr. Regg von der Regionaldirektion der Arbeitsagentur, der Dr. Embacher, der augenscheinlich in bürgerschaftlichem Engagement macht und schließlich der offensichtliche Star des Abends, Dr. Hilmar Schneider. Letzterer ist bekannt dafür, dass er Transferhilfeempfänger am liebsten für Null arbeiten und auf jeden Fall unter Druck setzen möchte. Außerdem ist er offenbar der Meinung, dass jeder Euro Lohn die Arbeitsmoral zersetzt, jedenfalls bei Leuten, die nicht wie er offenbar aus solchen Überlegungen auszuschließen sind.

Dass die Veranstaltung nichts wurde, lag wahrscheinlich an vielen Dingen. Um bei mir selbst anzufangen, so muss ich gestehen, dass mir die Kommunikationsregeln dieser Runden offenbar nicht geläufig sind. Ich dachte bis dahin, dass man bei Diskussionsrunden mit Moderation vorwiegend dann spricht, wenn man von der Moderation eingebunden, angesprochen, gefragt oder sonstwas wird. Oder eben, wenn sich auf dem Podium eine veritable Diskussion entspinnt. Letzteres passierte aber gar nicht, und das andere ist wohl sehr naiv gedacht. Asche auf mein Haupt. Denn weil sich die offenkundige Hassperson des Publikums, Dr. Schneider, erst um Kopf und Kragen redete und dann die Runde verließ, weil er seinen Billigflieger nach Bonn kriegen musste (ich dachte einen Moment, ich wäre bei "Wetten dass" gelandet...), war die Luft eigentümlich raus.

Die Podiumskollegen lobten Schneider dann noch für die Offenheit, mit der er seinen Mumpitz vertrat, weil das (was natürlich stimmt) alles sehr demokratisch ist. Aber vielleicht hätte man ihn auch einfach wieder ausladen sollen, wenn er nur eine Stümmeldiskussion anfangen und dann weglaufen will. Beim (mir persönlich jetzt nicht so sympathischen) Smalltalk vor der Diskussion sagte Schneider noch, dass er ja nur deshalb den frühen Billigflieger nimmt, weil er damit den Etat der Landeszentrale für Politische Bildung schonen wollte. Aber dann hätte man den Etat vielleicht doch besser noch mehr schonen und ihn ganz weglassen sollen. Oder gleich die ganze Diskussion absagen, weil ja jetzt auch niemand wirklich über Bürgerarbeit sprechen wollte, sondern offenbar das ganze Publikum nur wegen des provozierenden Gastes Schneider da war.

Egal. Ich habe mich innerlich den ganzen Abend gewundert, fragte mich im Stillen, ob ich auf die erste Frage der Moderatorin besser nicht geantwortet hätte (denn auf die rein fachliche Frage konnte ich nicht mit einem politischen Statement antworten, wenn ich höflich sein wollte - und ich war höflich...), sondern stattdessen besser gleich am Anfang angesprochen hätte, was das Thema im Vorgespräch war. Und als so langsam das Ende der Veranstaltung angekündigt wurde, besorgte ich mir nochmal kurz das Mikrofon, um wenigstens einmal etwas inhaltliches zu sagen und dachte ansonsten an die 145 €, die auf das Konto des Hartzer Rollers fließen werden, weil das mein Diskussionshonorar war. Ich weiß nicht, was die anderen Herren bekommen haben, aber das ist mir auch egal. Verhandlungen für eine weitere Podiumsdiskussion wird es wie gesagt kaum geben...