Sonntag, 24. Juli 2011

Abschottung aus Prinzip?

Ja, es ist ein Ärgernis, wenn es einen erwischt. Die offene Beratung am Kotti ist mehr als gut besucht, an manchen Tagen ist sie auch überlaufen.
Dass Wartenummern eingeführt werden mussten, war keine Erfindung des Südblocks. Das war schon am Vorgängerort in Neukölln so. Weil ich nach wie vor allein berate, bemisst sich die Zeitfrage nach dem durchschnittlichen Erschöpfungsgrad, jahrelange Erfahrung ergab eine Obergrenze von acht gleichermaßen intensiven und machbaren Beratungen pro Dienstag.
Der Südblock öffnet um 10 Uhr, deshalb werden die Wartenummern auch ab 10 Uhr ausgegeben. Ich gebe zu, dass ich ursprünglich damit gerechnet hatte, die Nummern würden langsam weggehen, bis gegen 13 Uhr dann die letzte Nummer raus ist. Denn um 13 Uhr beginnt die Beratung. Tatsächlich hat es sich zur wöchentlichen Übung entwickelt, dass schon vor 10 Uhr meist mehr als 8 Leute da sind. Um zehn ist der Drops dann gelutscht. Wer eine Nummer hat, kann in drei Stunden wiederkommen. Wer die 8 hat, kann auch in 5 Stunden wiederkommen. Das ist realistisch. Soweit zum Ist-Zustand. Im Südblock kam nun folgende erboste Mail an:
hallo leute meint ihr euer konzept für die sozialberatung ernst???!!! ich stelle mich um 9 uhr an um um 10 eine karte zu bekommen für n beratung um 13 uhr. gibt es bei euch schnittchen und kaffee umsonst für die schöne wartezeit?? und warum nicht 1 euro für n loskarte. Konzept könnte vom jobcenter sein. gruß v.
Wie es dazu kommt, erschließt sich aus dem oben Gesagten. Allerdings möchte ich doch Folgendes festhalten:
Der Südblock und der Hartzer Roller bieten gemeinsam eine kostenlose Beratung an. Ich würde mir ernsthafte Gedanken machen, wenn da niemand hinkäme. Nun ist aber das genaue Gegenteil der Fall.
Weil wegen des großen Andrangs am Anfang immer wieder das Personal des Südblocks bedrängt wurde, wenn die Wartenummern alle waren, haben wir Infoblätter gedruckt, auf denen erklärt wird, dass jedeR sich per Telefon einen Termin für eine Beratung an einem der anderen Orte geben lassen kann. Und - ja - da steht auch ein dickes Sorry drauf.
Wir haben gemeinsam alle Alternativen durchgespielt. Dass die Beratung schon um 10 Uhr anfängt, kommt nicht in Frage, weil der Berater auch wach und entspannt sein muss. Dass die Karten erst ab 13 Uhr ausgegeben werden, würde zu keiner kleineren Schlange führen, im Gegenteil wäre sie um die Uhrzeit noch länger. Und der Südblock würde sich wahrscheinlich vorhalten lassen müssen, dass die wartende Menge gastronomisch abgezockt würde. Wobei im Südblock immer ein kostenloses Glas Wasser auf dem Tresen steht und im Winter ein Samowar.
Die Nummern zu verkaufen wäre naheliegend, aber die Beratungen beim Hartzer Roller sind nun mal im Wortsinn nicht mit Geld zu bezahlen. Eine Verlosung wäre sicher jede Woche ein Ereignis, vielleicht kämen auch Presse und Abendschau, aber das ist nicht gewollt.
Es bleibt also alles beim Alten. Die nicht optimale Nummernausgabe bei Öffnung des Südblocks ab 10 Uhr, bei der gilt: Wer zuerst kommt, kommt auch zuerst dran. Immerhin heißt das auch, dass man eigentlich nicht unnötig warten muss, wenn man vor zehn kommt und schon acht Leute da warten. Denn dann ist es eh für diesen Dienstag aussichtslos. Und wem erst um 11 einfällt, dass er Beratungsbedarf hat, der kann zur Not beim Südblock anrufen, und fragen, ob ausnahmsweise noch Nummern frei sind.
Sind die Nummern weg, dann ruft man am besten direkt beim Hartzer Roller an und vereinbart einen Termin. Da bekommt man dann auch gleich eine Uhrzeit und muss gar nicht warten.
Wenn es also nötig ist, dann hier nochmal ein großes: Sorry.

Wir werden nichts ändern.

P.S.: Im ersten halben Jahr im Südblock fanden 310 Beratungen statt, die 130 Stunden gedauert haben, von denen die "KundInnen" nicht eine Minute bezahlen mussten. Die durchschnittliche Beratungsdauer liegt bei 25 Minuten, es handelt sich also nicht um eine Schnellabfertigung. Wer dorthin kommt, tut das aus eigenem Interesse. Niemand wird vorgeladen und jeder wird ernstgenommen.
Ein Vergleich mit Anspruch und Wirklichkeit der Jobcenter sollte sich vor diesem Hintergrund verbieten.


P.P.S.: Während der Sommerferien fallen einige Beratungstage an den anderen Orten aus, weil die Standorte in den Ferien nicht geöffnet sind. Um das teilweise zu kompensieren, werden am Südblock dreimal zehn statt acht Wartenummern ausgegeben. Und zwar am 26. Juli und am 2. und 9. August.