Sonntag, 12. August 2012

Objektiv?

Letzte Woche überraschte die Arbeitsagentur mit der Veröffentlichung eines Umfrageergebnisses, bei dem die "Kundenzufriedenheit" des Apparats beurteilt werden sollte und die Agentur erstaunlich gute Werte erhielt. Das liest sich auszugsweise so:
Jeder zweite Befragte gibt an, dass er eine gute Meinung von seinem Jobcenter hat. Zehn Prozent geben ihrem Jobcenter bei dieser Frage die Noten fünf und sechs (bewertet wird im Schulnotensystem). Über siebzig Prozent geben an, dass sie mit der Beratung im Jobcenter zufrieden waren (Noten eins und zwei), sechs Prozent der Kunden vergeben hier schlechte Noten.
Aufgrund meiner nicht ganz so übereinstimmenden Erfahrungen aus dem Alltag fragte ich bei der Agentur an, wie denn diese Daten erhoben wurden. Insbesondere wollte ich wissen, ob die Befragung anonym stattfand. Darauf bekam ich folgende Antwort aus Nürnberg:
 
Sehr geehrter Herr Wallbaum, 
die Befragung fand telefonisch statt und war absolut freiwillig. Ich hoffe, die Information hilft Ihnen weiter. Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung.
Ging zwar sehr schnell mit der Antwort, aber das hatte ich ja gar nicht gefragt... Meine Nachfrage nach der Anonymität wurde mit der Versendung der Projektskizze beantwortet, die ich dann erstmal gelesen habe.
Darin wird auch ausführlich beschrieben, nach welchen Maßstäben die Anonymität gewährleistet sein soll, was praktisch vielleicht sogar stimmen mag.

An keiner Stelle aber scheint sich die Agentur darüber Gedanken gemacht zu haben, ob ein auch nur annähernd objektives Ergebnis zu erwarten ist, wenn man von einem Meinungsforschungsinstitut angerufen wird, das offenbar schon mal weiß, dass man überhaupt Jobcenter-KundIn ist...
Ich würde mal davon ausgehen, dass angstbesetzte Leistungsberechtigte, von denen es leider immens viele gibt, sich dreimal überlegen, ob sie hier ehrliche Antworten geben, wenn nach der Qualität des Centerpersonals gefragt wird. Unmögliche Rückverfolgbarkeit der Antworten hin oder her - hier ruft jemand gezielt an und fragt im Auftrag des Jobcenters, ob ich denn auch zufrieden bin mit meinen SachbearbeiterInnen. Der erste Reflex dürfte eindeutig sein, dass man (wenn man sich nicht traut, gleich aufzulegen) davon ausgeht, dass die persönliche Einschätzung dann auch beim Center landet und (nächster Reflex) danach eventuell Schikanen zu erwarten sind.

Die Arbeitsagentur sollte sich also gründlich überlegen, ob diese Umfrageergebnisse zu irgendetwas anderem taugen, als zur Beschönigung des Allgemeinwissens über die tatsächlichen Zustände in den Jobcentern...