Samstag, 22. September 2012

Altersvorsorge mittels Geld

Wir reden über das sogenannte Schonvermögen. Bekannterweise muss man ja nicht völlig pleite sein, um Alg II zu bekommen. Eine gewisse Summe an Geld und Gut kann man durchaus auf der wenn auch nur kniehohen Kante haben.

Die 150 € pro Lebensjahr plus einmalig 750 € pro Person der Bedarfsgemeinschaft als "allgemeines Schonvermögen" sind mittlerweise einigermaßen bekannt. Um sie soll es, wie auch um das geschützte Vermögen im Rahmen eines Riestervertrags, heute nicht gehen. Eine im Vergleich zu früher durchaus sinnvolle oder sagen wir - nachvollziehbare - Neuregelung gibt es bei der Altersvorsorge, die z.B. als Lebensversicherung angelegt wird.

Solche Geldanlagen kann man "von der Verwertung ausschließen" und damit einen zusätzlichen Schonvermögensbetrag von 750 € pro Lebensjahr erhalten. Dieser gilt zwar nur gegenüber dem Jobcenter und entfällt beim Übergang von Alg II zur Grundsicherung im Alter, aber immerhin.

Eine Regelung, die in Beratungen immer wieder für Lachen und Kopfschütteln sorgte, bezieht sich auf diesen Verwertungsausschluss. Den muss man nämlich, um die Geldanlage zum Schonvermögen zu deklarieren, bis zum 60. Lebensjahr mit der Versicherungsfirma vereinbaren. Allerdings ist man ja mit 60 noch nicht RentnerIn, weshalb sich die Frage stellt, was in der Phase zwischen 60 und (Alters-) Renteneintritt geschieht.

Die alte Regelung sah hierfür vor, dass jetzt von einem statistischen Tod mit 75 ausgegangen wurde, was eine zu überbrückende Zeitspanne von 15 Jahren, also 180 Monaten ausmachte. Vorgesehen war bisher - festhalten - der Nachweis des beginnenden Verbrauchs. Aus welchem Grund auch immer sollte man nachweisen, dass man den statistischen Lebens-Restwert von 1/180 pro Monat aufbraucht, während man auf die Rente zusteuert. Es mangelte mir leider immer an Ideen, wie man den Sinn dieser Regelung irgendjemandem plausibel machen könnte, aber so war es tatsächlich...

Mit diesem Mumpitz ist nun Schluss, denn man besann sich auf den eigentlichen Grund, warum es "Altersvorsorge" heißt. Seit diesem Sommer gilt nun, dass die Zeit zwischen 60 und Altersrente so geregelt ist, dass man das nach Ablauf des Verwertungsausschluss verfügbar gewordene Geld eben nicht aufbrauchen muss. Pferdefuß ist allerdings, dass man entweder den Verwertungsausschluss verlängern muss oder, weil die Versicherungsunternehmen eine Verlängerung meist gar nicht mehr ermöglichen, das Geld wenigstens so neu anlegt, dass "zumindest der Wille erkennbar" ist, es für die Altersvorsorge im Rentenalter zu verwenden. Also z.B. ein Festgeldkonto mit Laufzeit bis zum Eintritt in die Altersrente.

Eine fixe Jahreszahl ist hier nicht genannt, aber da einen das Jobcenter mit 63 sowieso in die Altersrente drängen kann (und das immer häufiger tut, obwohl es dann eine Rente mit Abschlag, also eine geringere Rente, ist), sollte ein Festgeldvertrag bis 63 erstmal reichen.

Betroffen von dieser Regelung ist natürlich nur der Teil der Geldanlage, der über den allgemeinen Schonvermögensbetrag hinaus geht. Das allgemeine Schonvermögen (150 € mal Alter plus 750 einmalig) kann auch fortan sofort verprasst werden...