Donnerstag, 28. März 2013

Alg II und KSK - Fragen Sie Dr. Hartz...

Wie schön, dass in Berlin so viele Kreative leben. Die einen schreiben, die anderen malen, wieder andere drehen Filme oder machen schöne Musik. Das ist gut so!

Wer sein Geld mit Kunst oder Publizistik verdient, sollte immer überdenken, ob eine Mitgliedschaft in der Künstlersozialkasse (KSK) in Frage kommt. Während man JobcenterkundIn ist, spielt das geldmäßig keine Rolle, weil die Krankenversicherung da ja gewährleistet ist. Verdient man aber später wieder mehr, ist die KSK weitaus günstiger als die freiwillige gesetzliche Krankenversicherung für Selbständige und in der Regel auch günstiger als eine Privatversicherung (wo ja eh niemand rein möchte, sondern eher alle raus wollen...).

Im Prinzip funktioniert die KSK so, dass sie zwischen KünstlerIn und Krankenkasse quasi die selbe Rolle einnimmt wie eine ArbeitgeberIn bei Angestellten. Man ist also nicht BEI der KSK krankenversichert, sondern ÜBER die KSK. Dazu kommt die gesetzliche Pflicht-Rentenversicherung bei der KSK.

Wechselt ein KSK-Mitglied zum Jobcenter, so wird die Krankenversicherung dann nicht mehr über die KSK abgewickelt, sondern man wird "normales" Pflichtmitglied in der gleichen Krankenkasse, bei der man vorher schon über die KSK war. Beispiel: Ich bin erst über die KSK in der Techniker Krankenkasse und mit Beginn von Alg II dann automatisch über das Jobcenter. Kein Aufriß also. Und weil ich die Rentenbeiträge weiter bei der KSK zahle, bleibe ich dort auch Mitglied. Die Rentenversicherung ist gewissermaßen die Nabelschnur zur KSK. Das hat zur Folge, dass ich nach dem Bezug von Alg II ohne neue Einkommensprüfung wieder über die KSK krankenversichert werde.

Womit wir bei der immer gern gefragten Mindesteinkommensregelung der KSK wären. Voraussetzung für die Mitgliedschaft bei der KSK ist nämlich nicht nur, dass man überhaupt seinen Lebensunterhalt mit Hilfe von Kunst oder Publizistik bestreitet. Man muss auch ein Mindesteinkommen nachweisen. Dieses ist mit aktuell 3.900 € pro Jahr aber so gering, dass man daneben bequem auch längere Zeit beim Jobcenter bleiben kann. Der Umstand, dass z.B. über zwei oder drei Jahre keine Krankenversicherung über die KSK abgewickelt wird, ist völlig unschädlich für eine durchgehende Mitgliedschaft dort. Es ist ja auch ziemlich offensichtlich, dass man von lediglich 3.900 € im Jahr nicht leben kann (325 € pro Monat). In der Gründungsphase kann der Gewinn im übrigen auch niedriger sein, weshalb es sich auch lohnt, während des Bezugs von Alg II schon mal den Antrag auf KSK-Mitgliedschaft zu stellen.

Beginn der KSK-Mitgliedschaft ist übrigens bei vormalig gesetzlich Versicherten der Tag der Antragstellung. Man wird also rückwirkend Mitglied und die bis dahin zu viel gezahlten Beiträge der freiwilligen Mitgliedschaft werden zurückerstattet. Ist man vorher privat versichert, beginnt die Mitgliedschaft erst mit dem Tag des Aufnahmebescheids. Denn mit den Privaten kann die KSK keine Rückabwicklung durchführen.

Unter dem Strich: KSK gut.

P.S.: Die Rentenbeiträge, die man bei der KSK zahlt, sind Pflichtversicherungsbeiträge und als solche immer und unbedingt vom Einkommen abzusetzen. Weil sich dadurch das Einkommen verringert, steigt das Alg II und das Jobcenter hat hintenrum die Beiträge bezuschusst. Schlecht ist nur, wenn man gar kein Einkommen hat. Dann gibt es ja mangels Masse nichts, wovon man etwas absetzen kann. Anders als früher werden die Rentenbeiträge dann nicht bedarfserhöhend anerkannt, sondern man zahlt sie faktisch aus dem Regelsatz.