Mittwoch, 27. März 2013

Rechnen für Visionäre

Die Einkommensanrechnung ist ja Steckenpferd so mancher Leistungsabteilung in den Jobcentern. Da wird gerne mal behauptet und munter drauf los erfunden, dass die oft als so arbeitsscheu gebrandmarkten KundInnen doch erhebliche Einkünfte hätten. Einmal gemutmaßt sind diese dann gern auch schnell mal in die Berechnung eingeflossen und man kann dem Geld hinterher rennen, dass einem vom Center vorenthalten wird.

Bei schwankenden Einkommen haben wir ja nicht immer nur mit prekär Selbständigen zu tun. Auch Angestellte, insbesondere MinijobberInnen, wissen am Monatsanfang oft noch nicht, wie oft sie "gerufen" und damit auch bezahlt werden. Hat eine ArbeitgeberIn auf dem entsprechenden Formular aber erstmal angekreuzt, dass das Gehalt nicht monatlich in immer der gleichen Höhe ausfällt, fängt die Schätzerei an. Seriös sollte eine Leistungsabteilung dann fragen, ob man eine realistische Durchschnittssumme festlegen könnte, die erstmal standardmäßig für die Berechnung der kommenden sechs Monate in den Bescheid kommt. Ist diese wirklich realistisch, würde die Endabrechnung ja nicht besonders von der Einschätzung abweichen und es gäbe keine großen Forderungen zwischen Center und Kundschaft.

Leider hat es sich aber eingebürgert, dass als solcher Durchschnittslohn für die nächsten Monate nicht der Durchschnitt hergenommen wird, sondern der höchste jemals vorgekommene Einzelmonat. Das verschiebt die am Ende rauskommende Zahlung von Alg II natürlich erstmal nach unten, das Geld fehlt in der Haushaltskasse. Zwar bekommt man es am Ende zurück, aber der Sinn der Sache ist so etwas nicht.

Das Jobcenter Pankow hat nun den Vogel abgeschossen. Denn obwohl die Summe aus drei Minijobs bei einer Kundin in den vergangenen Monaten nie über 400 € im Monat ergab, wurde für das nächste halbe Jahr der stolze "Durchschnittslohn" von 700 € brutto festgesetzt. Also fast doppelt so viel wie jemals vorher erzielt wurde. Und um noch einen drauf zu setzen, wurde unter "netto" ebenfalls 700 € angesetzt. Damit setzte Pankow dann auch gleich alle gesetzlichen Regelungen über Steuern und Sozialabgaben außer Kraft. Denn ein abhängiges Einkommen von 700 € brutto kann ja gar nicht abgabenfrei sei. Hier hätte man sich ja wenigstens die Mühe machen können, beim Betrügen korrekt vorzugehen und einen Brutto-Netto-Rechner zu Rate zu ziehen. Aber es musste wohl schnell gehen...