Freitag, 31. Mai 2013

Datenkrake am Abdrehen?

Die Jobcenter haben ja gern viel Wissen. Nicht immer über die rechtlichen Grundlagen, auf denen ihre Arbeit fußen sollte, aber gerne über jeden Cent, der bei der Kundschaft rumliegen könnte. Neulich hat mir die Sammelwut eines sehr ambitionierten Center-Mitarbeiters einen interessanten Fall auf den Beratungstisch gebracht. The story so far:

Eine Selbständige, die aufgrund ihrer Einkommens-Schätzung einen Bescheid für sechs Monate bekommen hatte, wurde aufgefordert, doch bitte auch zwischendurch mal zu belegen, wie es denn in den ersten Monaten so gelaufen sei mit dem Geschäft. Es gab freudige Nachricht von der Kundin, dass es sogar besser gelaufen war als geplant. Einige Zahlungseingänge waren früher auf dem Konto, die Unsicherheit über die letzten Monate des Bewilligungszeitraums blieb natürlich. Nun ist das die klassische Situation, in der man sich womöglich beim Termin im Center gemeinsam freut, dann geht man aber normalerweise wieder auseinander und wartet, was denn der Rest des Halbjahres bringt, damit am Ende eine Gesamtabrechnung gemacht werden kann. Aufgrund dieser soll dann die Entscheidung getroffen werden, ob die Kundin insgesamt zu wenig oder zu viel bekommen hat, und entsprechend wird mit einer Nachzahlung oder einer Rückforderung der Zeitraum abgeschlossen. Das hat alles seinen Grund, denn gerade weil Selbständige nie so genau wissen, wann ihre KundInnen zahlen werden oder ob ein Auftrag plötzlich wegfällt oder dazukommt, wird hier über sechs Monate berechnet. Bei Angestellten gilt ja das Prinzip, monatsgenau zu rechnen.

Die Frage zwischendurch könnte also vielleicht interessant sein, um die Kundin danach zu fragen, ob sie Förderung oder Unterstützung benötigt. Der Sachbearbeiter aber drehte jetzt einen Umdrehung zu viel am Rad und machte eine Art "Zwischen-End-Abrechnung". Die unerwartet hohen Gewinne in den ersten Monaten würden ja zeigen, dass schon bis hier eine Überzahlung geschehen sei. Deshalb hatte er mal flugs ausgerechnet, dass die KundIn doch bitte zwischendurch schon mal was zurückzahlen sollte!

Ich wäre von selbst nicht darauf gekommen, dass solche Aktionen überhaupt jemandem einfallen könnten. Es bedarf ja auch schon eines gehörigen Maßes an Langeweile im Büro, um sich diese Mühe zu machen. Er hatte gerechnet, wo nichts zu rechnen war. Und er nahm natürlich auf sich, dass er am Ende des Bewilligungszeitraums eh alles nochmal berechnen musste...

Kurzum - falls so etwas passiert, sollte man auf jeden Fall dem Jobcenter mitteilen, dass die Einschätzungen, die man vor dem Bewilligungszeitraum gemacht hat, bewusst auf z.B. sechs Monate angelegt waren und deshalb zeitliche Schwankungen in den Einnahmen und Ausgaben nicht bedeuten, dass das (für die Berechnung der Leistung entscheidende!) Gesamtergebnis davon ad absurdum geführt werden darf.